Als der Bundestag 2017 mehrheitlich für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare gestimmt hatte, war das anfangs von lautstarken Protesten aus den Reihen der CSU begleitet worden. Seehofer hatte sogar eine Verfassungsklage angekündigt, aber darauf dann wieder schnell verzichtet. Von der bayerischen Staatsregierung war zu vernehmen, dass sie weiterhin an der traditionellen Ehe als Leitbild ihrer Familienpolitk festhalte und die Ehe zwischen Mann und Frau auch künftig im Zentrum des Regierungshandelns in Bayern stehen würde.

Nun vernehmen wir anlässlich der Münchner Runde vom 19.01.2019 neue Töne von Herrn Söder: „Wir sind offen für jede neue Familienform.“ Das wird also das neue Leitprinzip in der Familienpolitik der CSU werden. Und Söder fährt fort: „Es muss sich auch keiner schämen, wenn er eine traditionelle Familie pflegt.“ Mit diesem Nachsatz setzt Söder die Prioritäten in der künftigen bayerischen Familienpolitik: dass die Priorität auf die neuen Familienformen gelegt wird, man aber die traditionelle Familie aber noch dulden würde.

Sogar Kardinal Reinhard Marx, der sicher nicht zum konservativen Flügel der katholischen Kirche gehört, kritisierte diese Entscheidung des Bundestages und forderte eine Klage vor dem Verfassungsgericht, denn auch er hält an der Vorstellung fest, dass die Ehe auch weiterhin auf die Beziehung zwischen Mann und Frau bezogen sein müsse und der Staat den Ehebegriff nicht umdefinieren dürfe.

Die gesellschafts- und familienpolitische Wende der CSU und die Abkehr von der traditionellen Familien- und Gesellschaftspolitik waren bereits mit der Einführung der Inhalte der Genderideologie in die bayerischen Lehrpläne erkennbar. Söder hat nun die Kapitulation im Gesellschaftskampf erklärt.